Die unterschätzte Horizontale. Das Gesims in Kunst und Architektur

25. August – 14. November 2021

Gesimse finden sich überall. Beginnt man nach ihnen Ausschau zu halten, wirkt ihre Omnipräsenz beinahe irritierend. Fenster, Türen, Decken, Spiegel und Wandverkleidungen aus allen Jahrhunderten weisen an ihren Rändern kunstvolle Profile auf. Die Trauflinie jeder Stadtstrasse stellt ein Sammelsurium von Gesimsen in verschiedensten Ausgestaltungen und Materialien dar. Doch damit nicht genug: Autos, Kleidung, Möbel und Haushaltsgegenstände weisen ihre eigenen gesimsartigen Elemente auf. Streifen, Bänder und Linien aus Farbe wirken wie Gesimse, wenn sie Artefakte unterschiedlichster Art einrahmen oder krönen. Und dennoch werden sie leicht übersehen. Sie erfahren weitaus weniger Aufmerksamkeit in der Architektur, Kritik und Theorie als beispielsweise Säulen und deren klassischen Ordnungen. Aus diesem Grund wird dieses unterschätzte architektonische Element in einer Ausstellung in der Graphischen Sammlung ETH Zürich einer Neubewertung unterzogen. Das Gesims erhält dort seinen längst überfälligen grossen Auftritt. Die gemeinsam von der Graphischen Sammlung ETH Zürich, Dr. Linda Schädler, und der Professur für Geschichte und Theorie der Architektur ETH Zürich, Prof. Dr. Maarten Delbeke, organisierte Ausstellung wird sich mit den zahlreichen Erscheinungsformen des Gesimses in Kunst und Architektur beschäftigen.

Das Gesims, einst ein wesentlicher Teil jeder klassischen Architekturkomposition, zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Zorn der Modernisten auf sich. Es wurde verschiedentlich als der ausdrucksstärkste, aber auch als der problematischste Teil der Architektur bezeichnet. In Zeichnungen, Radierungen und Kunstwerken hat es immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Daher eröffnet die Geschichte des Gesimses in vielerlei Hinsicht eine neue Sichtweise auf die vielfältigen Geschichten der Architektur und ihrer Repräsentationen.

Um diese Geschichten freizulegen und die komplexe Rolle des Gesimses in Architektur, Städtebau und Kunst herauszuarbeiten, vereint die Ausstellung eine einzigartige Auswahl von über 150 Zeichnungen, Drucken, Büchern und Objekten vom 15. Jahrhundert bis heute, von denen einige zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt werden. Zu den ausgestellten Autoren und Künstlern gehören neben vielen anderen Francesco di Giorgio, Gottfried Semper, Frank Lloyd Wright und Le Corbusier. Wichtige Werke früherer Jahrhunderte aus den ETH-Sammlungen – Druckgrafiken, Zeichnungen und seltene Bücher – werden in einen direkten Dialog mit Leihgaben aus bedeutenden Institutionen im In- und Ausland treten, unter anderem aus der Fondation Le Corbusier, Paris, dem Louvre, der Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze, dem Art Institute of Chicago, dem Canadian Centre for Architecture, Montreal, dem Drawing Matter Archive (GB), den Staatlichen Museen zu Berlin sowie dem Museum Rietberg, Zürich. Dadurch wird die Ausstellung die «unterschätzte Horizontale» in fünf Jahrhunderten des Kunst- und Architekturschaffens sichtbar machen.

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