Gravitatorische Behauptungen. Yves Netzhammer / Gramazio Kohler Research

4. Dezember 2019 - 15. März 2020; Mitarbeit: Petrus Aejmelaeus-Lindström und Nicolas Feihl

Intervention in der Haupthalle ETH Zürich, bis 12. Dezember 2019

Künstliche Intelligenzen drängen immer stärker in die unterschiedlichsten Bereiche unseres Lebens. Viele Fragen drehen sich dabei um die Menschlichkeit von Robotern. Was passiert, wenn man die Maschine weiterdenken und weiterführen lässt, was der Mensch initiiert hat? Auch in der Kunst ist die Thematik relevant: Wie lassen sich Roboter in die künstlerische Produktion einbeziehen? Wer oder was bestimmt die Form? Wie geht man um mit der Ungewissheit über die eigentliche Autorschaft?

6 Stunden in Zeitraffer: In einer nächtlichen Aktion hat ein Roboter in der ETH-Haupthalle mit einem einzigen Seil von ca. 1 km-Länge eine monumentale Zeichnung nach Motiven von Yves Netzhammer ausgelegt; © Yves Netzhammer / Gramazio Kohler Research, ETH Zürich

Die Graphische Sammlung ETH Zürich realisiert immer wieder Ausstellungsprojekte an der Schnittstelle zu ETH-Disziplinen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Kooperation zwischen dem bekannten Schweizer Künstler Yves Netzhammer (*1970) und der international renommierten Professur für Architektur und Digitale Fabrikation, Gramazio Kohler Research, zu sehen. Im initiierten Austausch hat sich rasch gezeigt, dass der Faden eine zentrale Rolle im gemeinsamen Projekt spielen soll. Einerseits kommt das Material wiederholt in den Bildwelten des Künstlers vor, andererseits greifen auch die Architekten Fabio Gramazio und Matthias Kohler bei ihrer Forschung auf Geflechte aus Schnur, Garn oder Faser zurück. Entstanden ist eine raumgreifende Installation mit Robotern, die für die digitale Fabrikation in der Architektur an der ETH entwickelt worden sind. Diese Apparaturen wurden um neue Funktionen erweitert. Während man den einen Roboter eine Schnur nach Zeichnungen von Netzhammer legen lässt, wird der andere eine durch das Gleichgewicht bestimmte Maschenstruktur aus hängenden Schnüren in den Raum bauen. In einem sich wiederholenden Prozess von aufgebauten, zerfallenden und erneut erstellten Gebilden werden von der Maschine berechnete Formen an die Seite von auf menschliche Inspiration basierende Schöpfungen gestellt – und somit auch das fragile Verhältnis zwischen Mensch und Maschine thematisiert.

Die Schnur aus dem dreidimensionalen Raum findet ihre Entsprechung aber auch in Form von Linien auf dem Papier. Parallel kann das Resultat der Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Druckprozess eingesehen werden: zusammen mit dem Drucker Arno Hassler (Atelier de gravure, Moutier) hat sich Yves Netzhammer auf den Tiefdruck eingelassen – dies zum allerersten Mal in seinem Schaffen. Aus den druckgraphischen Experimenten ist eine Graphikedition hervorgegangen, die zusammen mit einer umfangreichen Serie an Varianten in den Gangvitrinen präsentiert wird.

Kuratorin: Alexandra Barcal, Graphische Sammlung ETH Zürich