Sich kreuzende Parallelen. Agostino Carracci und Hendrick Goltzius

9. Dezember 2020 bis 14. März 2021; verlängert bis 2. Mai 2021

Jede Zeit wählt ihre Stars. Und jede nachfolgende Epoche entscheidet, ob sie deren Licht verlöschen oder gar noch heller erstrahlen lässt. Zu gerne wüssten wir, welche Berühmtheiten unserer Tage auch unsere Urenkel noch begeistern werden. Es ist das Privileg der Kunst längst vergangener Jahrhunderte, diese Antwort schon zu kennen. Agostino Carracci (1557–1602) und Hendrick Goltzius (1558–1617) gehören zu denen, die es geschafft haben.
Sie waren die tonangebenden Kupferstecher des späten 16. Jahrhunderts, der eine in Italien, der andere in den Niederlanden, und auch heute werden ihre Werke in Ausstellungen gezeigt, auf dem Kunstmarkt gehandelt, in Seminaren besprochen und von Künstlerinnen und Künstlern als Inspirationsquelle verwendet. Erstaunlicherweise sind die beiden Künstler bisher noch nie im Vergleich ausgestellt worden. Denn neben dem Erfolg, den sie als Kupferstecher hatten, laden noch weitere Parallelen zu einer Gegenüberstellung ein: Beide waren literarisch und kunsttheoretisch interessiert und gründeten in ihrer Heimat eine Akademie. Unabhängig voneinander entdeckten Carracci und Goltzius das illusionistische Potential an- und abschwellender Linien. Durch die Weiterentwicklung dieser technischen Innovation legten sie die Grundlage für den Kupferstich des Barockzeitalters. Trotz ihrer herausragenden Erfolge im Medium der Druckgraphik wandten sich beide als reife Künstler von dieser Technik ab und vermehrt der Malerei zu.

Die Ausstellung zeichnet aber nicht nur ihre parallelen Lebenslinien nach, sondern fragt auch nach Berührungspunkten. Um aufzuzeigen, wie sich die beiden Künstler gegenseitig wahrnahmen und beeinflussten, wird das gesamte thematische Spektrum ihrer Werke präsentiert, das von Bildern der Andacht über Porträts bis hin zu explizit erotischen Darstellungen reicht. Den unterschiedlichen Funktionen der Bilder entsprechen unterschiedliche Formate. Zu sehen sind daher Werke so klein wie Briefmarken und andere, die die Grösse einer Tischplatte haben.

 

BEGLEIT-APP ZUR AUSSTELLUNG

Man sieht nur, was man weiss – das gilt natürlich immer und heisst konkret für uns: zu Bildern macht Freude. Wer es hat, dem fallen Dinge auf, die andere übersehen. Unsere Begeisterung für Bilder und Wissen möchten wir unbedingt mit Ihnen teilen: mit unserer kostenlosen Begleit-App, die wir speziell für diese Ausstellung mit dem Game Technology Center der ETH Zürich mit Unterstützung von LGT Private Banking entwickelt haben. Sie können die App mit dem QR-Code oder auf artifact-ar.ch/web herunterladen und direkt mit den beiden Bildern auf dem Flyer ausprobieren.
So geht’s: Öffnen Sie die App, starten Sie den Kunstscanner und richten Sie die Kamera Ihres Smartphones oder Tablets auf eines der abgebildeten Kunstwerke. Nach einer kurzen Einleitung können Sie selbst Themenpunkte wählen.

 

links: Hendrick Goltzius nach Cornelis van Haarlem, Ikarus, aus der Folge Die vier Himmelsstürmer, 1588, Kupferstich, Ø 334 mm, Graphische Sammlung ETH Zürich, rechts: Agostino Carracci nach Andrea Boscoli, Harmonie der Sphären, 1589–1592, Kupferstich und Radierung, 246 × 354 mm, Graphische Sammlung ETH Zürich

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Begleitpublikation im Michael Imhof Verlag in deutscher sowie in englischer Sprache.

Alle Informationen zu den Veranstaltungen rund um die Ausstellung erhalten Sie auf unserer Website gs.ethz.ch sowie über unseren Newsletter gs.ethz.ch/newsletter.

Kuratoren: Dr. Susanne Pollack, Graphische Sammlung ETH Zürich und
Dr. Samuel Vitali, Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut

Aufgrund der Einschränkungen bedingt durch die Corona-Pandemie ist die maximale Anzahl im Ausstellungsraum auf 15 Personen beschränkt. Es besteht Maskenpflicht.

Lesen Sie auch den neusten Artikel Klassische Kunst modern vermittelt auf der Website der ETH Zürich.