Die Zeugenschaft der Blumen: Zu einem Blatt aus Käthe Kollwitz Serie Bauernkrieg
Dr. Susanne Pollack, Konservatorin 15.–19. Jh., Graphische Sammlung ETH Zürich
|
10. March 2023
Vielschichtige Symbolik und verklausulierte Anspielungen in Kunstwerken zu erläutern, gehört zu meinen typischen Aufgaben als Kunsthistorikerin. Aber was soll und was darf man über Bilder schreiben, deren Bildsprache so universell, unmissverständlich und direkt ist, dass sie eigentlich keiner akademischen Interpretation bedürfen? Ist es gar ein Sakrileg, wie manche behaupten, sich über sie zu äussern?
Read more
Von Eierdieben und Schlangenbeschwörern – Jacques Callots Jahrmarkt als Wimmelbild
Saskia Goldschmid, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
03. February 2023
Wer sich die beeindruckende Radierung Jahrmarkt von Impruneta des französischen Künstlers Jacques Callot (1592-1635) vor Augen führt weiss zu Beginn gar nicht, wo er seinen Blick nun ruhen lassen soll. So bewohnen hunderte von Menschen und Tieren die belebte Szene, deren detaillierte Ausführung ihresgleichen sucht. Dabei fertigte der Künstler gleich zwei Versionen seiner ehrgeizigen Komposition.
Read more
Gefährdetes Sehen: Anton Graffs Selbstbildnis vom 31. Dezember 1810
Prof. Dr. Roger Fayet, Direktor Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA und Mitglied des Kuratoriums der Graphischen Sammlung ETH Zürich
|
19. December 2022
Beim Betrachten des Selbstporträts von Anton Graff wird der Blick unweigerlich gefangen genommen von der Augenpartie des Dargestellten, deren forschender Ausdruck durch das eigentümliche Aussehen des linken Auges an irritierender Intensität noch gewinnt.
Read more
Manet und Hokusai – eine Begegnung bei Regen
Dr. Susanne Pollack, Konservatorin 15.–19. Jh., Graphische Sammlung ETH Zürich
|
14. November 2022
«… der ostasiatische Einfluss bricht sich mit der Gewalt einer notwendigen Thatsache Bahn. Diejenigen, welche ihn ferner verkennen wollen, geben sich das Zeugnis, den Ursprung der modernen Bewegung zu verkennen…».
Diese entschieden formulierte Äußerung stammt von Roger Marx (1859–1913), einer der einflussreichsten Kunstkritiker seiner Zeit. Heute, mit einer zeitlichen Distanz von weit mehr als einem ganzen Jahrhundert, können wir seine Einschätzung als eine kunsthistorische Gewissheit wiederholen: Die Verinnerlichung japanischer Stilmittel gilt als einer der wichtigsten Grundsteine für die Entwicklung der europäischen Moderne.
Read more
Utamaro und seine schönen Frauen: Aspekte der japanischen Frauen im achtzehnten Jahrhundert
Prof. Dr. Hans Bjarne Thomsen, Abteilung Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Zürich
|
14. October 2022
Aufgrund ihrer großen Beliebtheit wurden Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts grosse Mengen an japanischen Holzschnitten in den Westen exportiert. Viele Holzschnitte landeten in den Sammlungen bekannter Kenner, wie zum Beispiel die Sammlung von Charles Gillot, die 1904 in Paris zum Verkauf angeboten wurden. Die Graphische Sammlung konnte über Woldemar von Seidlitz eine Reihe von Grafiken erwerben, die zum Verkauf standen, darunter auch solche mit schönen Frauen.
Read more
Im Auge des Sturms – Farblithographien von Dominik Stauch
Alexandra Barcal, Konservatorin 20. – 21. Jahrhundert
|
02. September 2022
Dreht sich ein tropischer Wirbelsturm schnell genug, kann sich in den gewaltigen rotierenden Wolkenmassen bekanntlich ein windstilles Auge bilden. Diese Assoziation steigt unvermittelt in einem auf, wenn man die sechsteilige Serie mit dem sinnbildlichen Titel Hurricane von Dominik Stauch (*1962) betrachtet.
Read more
Wortwörtliches ‘Nachäffen’: Boldrinis Affenlaokoon nach Tizian
Angelika Castelli
|
09. August 2022
Wie eine venezianische Druckgraphik aus dem 16. Jahrhundert ein antikes motivisches Vorbild adaptieren, reinterpretieren und in ein amüsantes, neues Gesamtes umformen kann, zeigt exemplarisch der Affenlaokoon des Holzschneiders Niccolò Boldrini (um 1500 – nach 1566).
Read more
Die Vermessung der Welt
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
04. July 2022
In der Druckgraphik von Meister GA mit der Fussangel wird nicht gleich die ganze Welt vermessen, jedoch ein Gesims. Damit gehört das Werk, zirka 1530 entstanden, zu den ersten überhaupt, in denen antike Architekturdetails mit Vermassungen angereichert wurden.
Read more
Faszination Blau
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
30. May 2022
Bei den einen ist die Pflanze als Rauschmittel beliebt, bei anderen wiederum als Heilmittel geschätzt. Die Schweizer Künstlerin Daniela Keiser hat Abbildungen von Cannabis im Internet gesammelt. In einem mehrstufigen Prozess setzte sie diese Bilder in der fotografischen Technik der Cyanotypie um, woraus Kunstwerke aus fein nuancierten Blautönen entstanden sind.
Read more
Die Bibliothek als Wissensraum? Érik Desmazières’ Reflexionen über Raum und Zeit
Dr. Rafael Ball, Direktor ETH-Bibliothek
|
05. May 2022
In seinem Schaffen greift Érik Desmazières immer wieder die Bibliothek und das Archiv als Motiv auf. Sein Werk «La salle Labrouste de la Bibliothèque Nationale» weist dabei einen unmittelbaren Bezug zur Bibliothek und ihrer Räumlichkeit auf: Im Fokus steht die Architektur, wodurch die Leserschaft zu kaum erkennbaren Statisten reduziert wird. Demgegenüber nimmt der Raum in «L’Archiviste» eine ganz und gar metaphorische Rolle ein.
Read more
Zum Gebrauch bestimmt. Was uns eine Zeichnung Jos Murers über effizientes Arbeiten im 16. Jh. erzählt
Autorin: Dr. Susanne Pollack, Konservatorin 15.–19. Jh., Graphische Sammlung ETH Zürich
|
07. April 2022
Die Graphische Sammlung ETH Zürich besitzt eine Federzeichnung von dem Zürcher Künstler Jos Murer (1530–1580), die auf den ersten Blick merkwürdig unfertig erscheint. Ganze Bildbereiche sind nur angedeutet und weisen gähnend leere Flächen auf. Die Figuren sind zwar klar umrissen, die Definition ihrer Binnenstrukturen beschränkt sich jedoch auf wenige Parallelschraffuren. Auffällig sind auch ein paar handschriftliche Notizen, die ohne Scheu auf den Blatt vermerkt wurden. Für einen wenig ehrfürchtigen Umgang mit dem Blatt spricht auch, dass es offensichtlich so oft auf- und wieder zusammengefaltet wurde, dass es schliesslich in vier Teile zerfiel und deshalb auf eine Unterlage aufgeklebt werden musste.
Read more
Eingravierte Echos – Spuren einer besonderen Künstlerpersönlichkeit
Alexandra Barcal, Konservatorin 20. – 21. Jahrhundert
|
15. March 2022
Als 2018 die Winterthurer Künstlerin Jeannette Baumgartner im Alter von 60 Jahren stirbt, hinterlässt sie neben der tieftrauernden Familie auch ein schmales, jedoch dichtes graphisches Werk. Im Laufe ihrer relativ kurzen künstlerischen Tätigkeit hat sie ausdruckstarke Werke voll emotionaler Widerstände geschaffen. Ihre Schwester Irène Alice Baumgartner beschliesst diesem bemerkenswerten Oeuvre die, wenn auch posthume, so doch wohlverdiente Würdigung angedeihen zu lassen: dank ihrem Engagement nimmt 2020 die Graphische Sammlung ETH Zürich ein Konvolut an Radierungen und Zeichnungen in den eigenen Bestand auf.
Read more
Camille Corot und das Cliché-verre
Lilija Monkevič, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
04. February 2022
Ein junges Mädchen, mit dem Rücken zu uns, steht unter einem Baum. Den Blick leicht nach oben gerichtet und den rechten Arm erhoben, so, als würde sie jemandem in der Ferne zuwinken. Rechts von ihr kauert eine in Tuch gehüllte Gestalt mit kahlem Schädel: der Tod.
Read more
Toter Gigant am Strand. Zu einer Darstellung eines gestrandeten Pottwals aus dem 17. Jahrhundert
Autorin: Dr. Susanne Pollack, Konservatorin 15.–19. Jh., Graphische Sammlung ETH Zürich
|
06. December 2021
Wir alle kennen aus der Presse Bilder gestrandeter Wale. Nichts zu empfinden beim Anblick der verendenden oder bereits toten Riesen mag nur den wenigsten gelingen. So ist es auch nur allzu natürlich, dass auf jenen Bildern Scharen von herbeigeeilten Menschen selten fehlen. Das drängende Verlangen, selbst Augenzeuge eines seltenen Naturereignisses zu werden, ist freilich kein Phänomen unserer Tage. Als am 3. Februar 1598 ein gewaltiger Pottwal an den Strand von Berckhey gespült wurde, löste dieses Ereignis eine regelrechte Massenansammlung aus.
Read more
Das Unternehmen Daniel Hopfer
Lilija Monkevič, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
01. November 2021
Der Nürnberger Verleger David Funck kaufte im späten 17. Jahrhundert 230 Platten von der Künstlerfamilie Hopfer auf, versah jede in einer willkürlichen Art mit einer Nummer und brachte unter dem Titel «Opera Hopferiana» von diesen Platten Abzüge heraus. Wie die vielen Folgeauflagen beweisen, waren diese Blätter begehrte Objekte für Sammlerinnen und Sammler jener Zeit. Sie stammen aus der Werkstatt des vielseitig begabten Augsburger Meisters Daniel Hopfer (ca. 1470 – 1536), der sowohl als Waffenätzer wie auch als Zeichner oder Graphiker tätig war. Seine Werke sind mit den Majuskeln «D H» und dem Symbol der Hopfendolde monogrammiert.
Read more
Zwei Meisterinnen des Farblinolschnittes
Alexandra Barcal, Konservatorin 20. – 21. Jahrhundert
|
01. October 2021
Als sich Lill Tschudi (1911–2004), die grosse Schweizer Linolschneiderin, 1929 an der Grosvenor School in London für den Linolschnittkurs einschreibt, so hat dies in erster Linie mit ihrem künstlerischen Vorbild zu tun. Auf einer ihrer Reisen mit ihrer Mutter und Schwester weilt die junge Glarnerin einmal in Antwerpen und besucht dort den Königlichen Zoologischen Garten. In einer Ausstellung sieht sie hier zum ersten Mal die farbenprächtigen Werke der populären österreichischen Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth (1891–1978) und ist von der üppigen Szenerie und exotischen Fauna auf den Darstellungen auf Anhieb tief beeindruckt.
Read more
Architekturprofile
Gastautor: Prof. Dr. Maarten Delbeke, Professur für Geschichte und Theorie der Architektur ETH Zürich, und Ko-Kurator der Ausstellung "Die unterschätzte Horizontale. Das Gesims in Kunst und Architektur" in der Graphischen Sammlung ETH Zürich (25. August - 14. November 2021)
|
20. August 2021
Die beiden Radierungen sind sich erstaunlich ähnlich: Beide bilden ein Sammelsurium von Elementen der klassischen Architektur ab, die in einem Rahmen eingefasst und arrangiert wurden. Die Kombination dieser Fragmente erscheint sowohl als grafische Fingerübung, bei der architektonische Motive eine Komposition aus orthogonalen und diagonalen Elementen bilden, wie auch als eine perspektivische Darstellung von Gebäudefragmenten, die zu einer unrealistischen Konstruktion zusammengefügt wurden. Die eine scheint einen Ausschnitt eines fiktiven Gebäudedetails zu zeigen, die andere eine Ansicht von sich überlagernden Gebäuden.
«Please Scroll Down for English»
Read more
Am Entschwinden
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
29. June 2021
Irene Kopelman (*1974) zeichnet auf Expeditionen. Wer allerdings wissenschaftliche Darstellungen erwartet, wird erstaunt sein. Die Künstlerin hält nicht akribisch jedes Detail fest, sondern erfasst in ihren filigranen Zeichnungen stets wenige Strukturen – vom Urwald etwa oder von einem Gletscher wie in der Serie «Fragments from Aletschgletscher» (2013).
Read more
No News!
Laura Vuille, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
04. June 2021
Auf den ersten Blick erscheinen die Notional Newspapers (2005–2019) von Mark Manders (*1968) wie Ausgaben einer handelsüblichen Tageszeitung. Doch Überschriften wie «Hypocotyl Raki», «Curculio Bassos» oder «Kyphosis Leaf» rütteln gehörig am vertrauten Bild.
Read more
Vom Reiz der Leerstelle. Hendrick Goltzius’ Kupferstich Anbetung der Hirten
Dr. Susanne Pollack, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
05. May 2021
Die Anbetung der Hirten ist einer der letzten Kupferstiche, an denen Goltzius arbeitete, bevor er sich ab 1600 primär der Malerei zuwandte. Der Abzug in der Graphischen Sammlung ETH Zürich stammt vom letzten Zustand der aus unbekannten Gründen von Goltzius nie fertiggestellten, aber nach seinem Tod noch mehrfach modifizierten Platte.
Read more
Wanderlust!
Prof. Dr. Philip Ursprung, Vorsitzender des Kuratoriums der Graphischen Sammlung ETH Zürich und Professor für Kunst- und Architekturgeschichte, gta, ETH Zürich
|
01. April 2021
Seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr habe ich nur einmal in einem Flugzeug gesessen. Das für mich selbstverständliche Reisen – für Vorträge, für Forschungen, für Ferien – ist zu einem raren Gut geworden. Die Menschen bewegen sich nicht nur weniger weit als vor einem Jahr. Sie scheinen auch langsamer zu gehen, müder und beschwerter. Auch ich spüre ein Gefühl der Lähmung. Auf Spaziergängen in die Umgebung denke ich ans Meer und die Wüste. Ich blicke den Kondensstreifen von Flugzeugen nach. In Büchern und am Computer begebe ich mich auf Lehnstuhl-Reisen. Vielleicht stach mir deshalb beim Stöbern durch den Online-Sammlungskatalog der Graphischen Sammlung ein Werk von Martin Schongauer ins Auge.
Read more
Im ewigen Auf und Ab – Über die gewichtige Leichtigkeit des Seins
Alexandra Barcal, Konservatorin 20. – 21. Jahrhundert
|
08. March 2021
Die ETH Zürich besitzt mit der Graphischen Sammlung nicht nur eine der grössten Sammlungen für Kunst auf Papier in der Schweiz, die technische Hochschule fördert bei ihren Neubauprojekten auch gezielt Kunst am Bau: Für Basel, wo die ETH Zürich ein neues Forschungsgebäude für das Departement Biosysteme (D-BSSE) errichtet, hat der Schweizer Künstler Yves Netzhammer (*1970) eine bewegliche Installation entworfen, die auf seinen Erfahrungen im Rahmen des Ausstellungsprojektes «Gravitatorische Behauptungen» in der Graphischen Sammlung 2019/2020 basiert.
Read more
Kaleidoskopische Collagen
Laura Vuille, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
08. February 2021
Täglich blätterte die österreichisch-schweizerische Künstlerin Elisabeth Wild (1922–2020) in einem beinahe meditativen Prozess durch Mode-, Kunst- und Architekturzeitschriften, stets auf der Suche nach brauchbarem Material für ihre spannungsvollen Bildarrangements. Ausgestattet mit einer Schere nahm sich Wild der glamourösen Scheinwelt der Hochglanzmagazine an und collagierte ausgewählte Bildfragmente zu neuen künstlichen Bildwelten. Lose Papierflächen, bunt bedruckt und wesensfremd, fügte sie mit traumwandlerischer Sicherheit zu fantasievollen Gesamtkompositionen.
Read more
Ganz bei sich
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
22. January 2021
«In meiner Arbeit geht es auch um die bewusste Reduktion auf die Momente, in denen man sich selbst genügt.» so Zilla Leutenegger. Im Werk der Schweizer Künstlerin taucht oft eine einzelne Figur im Raum auf. Meist ist es ihr Alter Ego, das mit kleinen, banalen Alltagshandlungen beschäftigt ist oder ganz einfach nichts tut: Schlafen, Ruhen, Warten, sich Langweilen.
Read more
Ausschneiden und Aufkleben. Ein Fächer für die Damen von Agostino Carracci
Dr. Susanne Pollack
|
01. December 2020
Die moderne Präsentation von Altmeistergraphik in Sammlungen lässt uns nur allzu leicht vergessen, dass die bedruckten Blätter ganz unterschiedliche Funktionen hatten, bevor sie zu rein musealen Objekten wurden. Ein Kupferstich von Agostino Carracci (1557–1602) ist gut geeignet, sich diese Tatsache einmal mehr in Erinnerung zu rufen. Das Blatt war nämlich dazu gedacht, ausgeschnitten und dann auf einen formgleichen Karton aufgeklebt zu werden, um einer Dame als Fächer zu dienen.
Read more
Vom Bleibenden im Momenthaften
Alexandra Barcal, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
30. September 2020
Wem ist sie nicht aufgefallen, die grosse Dominique, die die Besucherinnen und Besucher der Graphischen Sammlung ETH Zürich mit ihrem unergründlichen Lächeln zu begrüssen pflegt. Das verblüffende Porträt, das mit seinem inneren Strahlen und einer ungeheuren Präsenz besticht und die Betrachterinnen und Betrachter zwischen Faszination und Irritation schweben lässt, hängt im Korridor zum Ausstellungssaal.
Read more
Begleiter in der Jackentasche – 33 Skizzenbücher des Architekten Julius Stadler
Paul Bissegger, Architekt ETH SIA, Gastautor
|
01. September 2020
Skizzenbücher, vor allem, wenn sie dauernd als Begleiter in der Jackentasche stecken, sind für Architekten so etwas wie Tagebücher. Sie geben einen Einblick in die persönliche Entwicklung und halten prägende Eindrücke fest. Von dem Architekten Julius Stadler (1828–1904) besitzt die Graphische Sammlung ETH Zürich ganze 33 Stück – und das ist nur ein Teilbestand, denn gefüllt hat er noch einige Skizzenbücher mehr. In seinem Fall dokumentieren die Bücher nicht nur seine Entwicklung. An ihnen lässt sich ebenfalls sein beruflicher Werdegang ablesen, wie die folgenden Ausführungen zeigen.
Read more
Kommen und Gehen bei Rembrandt
Dr. Susanne Pollack, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
29. July 2020
Gemeinsam mit dem Verbrecher Barabbas steht der gefolterte Christus mit gefesselten Händen auf einer Tribüne vor der Menge. Ihr überlässt der römische Statthalter Pontius Pilatus die Entscheidung, wer von beiden frei gelassen werden soll. Ganz links ist ein Diener mit Wasserkrug und jener Schüssel zu sehen, in der sich Pilatus seine Hände in Unschuld waschen wird.
Read more
Spirituelle Übungen
Laura Vuille, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
01. July 2020
Eine Verletzung veränderte sein Leben. Als Ignatius von Loyola im Krieg schwer verwundet wurde, löste dies eine Hinwendung zu Gott aus. Er ging auf Pilgerreise und beschrieb seine Erfahrungen später in den sogenannten Ignatianischen Exerzitien. Diese Schriften aus dem 16. Jahrhundert bestehen aus einer Reihe geistlicher Übungen, die zu Gebet, Meditation und Kontemplation anleiten.
Read more
Der erste Matisse der Graphischen Sammlung
Lara Eva Seeliger, Gastautorin
|
05. June 2020
Im Jahr 1929 kaufte die Graphische Sammlung ETH Zürich unter Konservator Rudolf Bernoulli ihren ersten Matisse an. Steht der Künstler heute für eine gefeierte Position, so spaltete er damals die (inter-)nationale Kunstszene. Umso interessanter ist es, dass die 1926/27 entstandene Arbeit aus der Folge «Dix danseuses» nur wenige Jahre nach ihrem Entstehen den Weg in die Zürcher Sammlung fand.
Read more
Spiel mit der Wahrnehmung. Zum Tod von Markus Raetz
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
28. April 2020
Mit Humor und leiser Ironie forderte Markus Raetz unsere Wahrnehmung heraus. In seinen schlichten, durchdachten Werken thematisierte er ohne theoretischen Überbau ganz direkt, wie wir Kunst erfassen. Nun ist der international bekannte Künstler (1941 – 2020) verstorben. Ein Nachruf auf eine herausragende Persönlichkeit der Schweizer Kunstszene.
Read more
Schattenreiche Architektur des Weltwissens
Laura Vuille, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
27. March 2020
Reihenweise zirkulär angeordnete Archivschränke aus Holz, scheinbar bis in alle Unendlichkeit fortlaufend – kein Ziel und kein Ende in Sicht. Durch eine prachtvolle Glaskuppel, die über den unzähligen Zettelkästen thront, dringt Tageslicht in den ansonsten düster wirkenden Raum. Helle Sonnenstrahlen beleuchten die träge, staubige Luft und werfen lange Schatten auf das in die Jahre gekommene Inventar.
Read more
… als die Gletscher noch wuchsen
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
28. February 2020
Der Winter 2019/20 geht als einer der wärmsten in die Geschichte ein. Mit Besorgnis wird festgestellt, dass auch die Eismassen der Gletscher schmelzen. Das war nicht immer so. Während der «Kleinen Eiszeit» wuchsen die Gletscher, wie man auch anhand der Zeichnung des Schweizer Hochgebirgsmalers Caspar Wolf (1735-1783) gut nachprüfen kann.
Read more
Wenn alte Bräuche Neues entdecken lassen
Alexandra Barcal, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
03. February 2020
Peter Kneubühler (1944-1999) war seines Zeichens ein weit über die Grenzen Zürichs, ja international bekannter Kupferdrucker. Als 2008 sein Nachlass in die Graphische Sammlung ETH Zürich kam, war darunter auch eine Kuriosität:
Read more
Andenken aus der Hölle. Ein Kupferstich aus dem 15. Jahrhundert mahnt zur Tugend
Dr. Susanne Pollack, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
29. November 2019
Ziemlich viel und erstaunlich detailliert berichtet ein gerade mal 23 x 29 cm großer Kupferstich über den «Alltag in der Hölle», von dem die Graphische Sammlung ETH Zürich einen der seltenen gut erhaltenen Abzüge besitzt.
Read more
Was für ein exotisches Tier!
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
01. November 2019
Es war eine absolute Sensation! Im Mai 1515 kam ein lebendes Nashorn per Schiff in Belém, einem Vorort von Lissabon, an. Das indische Rhinozeros war als diplomatisches Geschenk aus Goa, damals Teil der portugiesischen Kolonie, übers Meer transportiert worden. So ein Tier hatte man in Europa seit dem Altertum nicht mehr gesehen. Die Ankunft des exotischen Kolosses löste am Hafen denn auch einen veritablen Tumult aus. Doch nicht nur in Portugal hörte man von der Ankunft des seltsamen Wesens. Auch Albrecht Dürer aus Nürnberg vernahm es und entschied sogleich, davon einen Holzschnitt anzufertigen.
Read more
Glückliche Umstände
Dr. Susanne Pollack, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
24. September 2019
Wie wunderbar ist es, wenn Talent, Wille und Förderung aufeinandertreffen! Dies zeigt das Leben von Elisabetta Sirani (1638-1665), deren Karriere durch ihren frühen Tod mit 27 Jahren ein abruptes Ende nahm. In ihrem kurzen Leben war es ihr nicht nur gelungen, zu einer weit über die Grenzen ihrer Geburtsstadt Bologna hinaus geschätzten Malerin zu werden, gleichzeitig war sie Leiterin einer florierenden Werkstatt, Mitglied in der renommierten Accademia di San Luca in Rom und Gründerin einer Kunstakademie für Frauen.
Read more
Kein Durchkommen
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
30. August 2019
Der Bauboom hat seit längerem alle Grossstädte im Griff. Es gibt keine Metropole, bei der man nicht täglich an mehreren Baukränen vorbeikäme – und die urbane Entwicklung nimmt immer noch weiter Fahrt auf. Die spanische Künstlerin Lara Almarcegui (*1972) thematisiert mit ihren Arbeiten diese massive Durchgestaltung von Städten und ergründet die komplexen Beziehungen zwischen Baumaterialien, Konstruktion und Zerfall der gebauten Welt. So auch vor einigen Jahren in Zürich.
Read more
Es geschah am helllichten Tag
Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
26. July 2019
Als Félix Vallotton 1897-98 seine Holzschnitt-Serie «Intimités» schuf, hielt er auf jedem der zehn Blätter ein Liebespaar fest. Alle sind äusserst elegant gekleidet und befinden sich in gediegenen Wohnungen. Es ging dem Schweizer Künstler (1865-1925) aber keineswegs darum, traute Zweisamkeit zu zelebrieren oder eine harmonisch-glückliche Verbindung in verschiedenen Konstellationen durchzuspielen. Vielmehr zielte er kritisch auf die Doppelmoral der damaligen Pariser Gesellschaft ab.
Read more
Kunst, Bettler*innen und die Politik der Armut
Lena Schaller, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
28. June 2019
Andrea Büttner (*1972) befasst sich in ihrem Künstlerinnenbuch Beggars mit der Darstellung von Bettler*innen in der Kunstgeschichte: «This book is about art and poverty, art history and beggars, shepherds and kings. It is about a theology and politics of poverty» (In diesem Buch geht es um Kunst und Armut, Kunstgeschichte und Bettler, Hirten und Könige. Es geht um Theologie und die Politik der Armut; Büttner 2018).
Die Publikation enthält neben den Holzschnitten und Untersuchungen der Künstlerin, Beiträge von Christopher P. Heuer, Linda Nochlin (1931-2017) und Anne Carson (*1950).
Read more
Fortschritt durch Querschnitt
Dr. Susanne Pollack, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
31. May 2019
Schnittbilder im Dienste der Aufklärung.
Zur Etablierung eines neuen Weltbildes sind naturgemäss Bilder recht nützlich. Es überrascht also nicht, dass Bilder im ehrgeizigsten und umfangreichsten publizistischen Grossunternehmen der französischen Aufklärung eine unentbehrliche Funktion übernahmen.
Read more
Von blöden Blumen und dummen Lilien
Alexandra Barcal, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
26. April 2019
Die Graphikfolge «Silly Lilies» von Thomas Schütte.
Read more
Freude am Scheitern: Lauren Klotzmans Meat Joy Error Failure
Lena Schaller, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
29. March 2019
Unsere Zeit wird mit verschiedensten Begriffen zu beschreiben versucht. Leben wir in der «post-industriellen Gesellschaft», dem «Informationszeitalter» oder doch in der «technotronischen Ära»? Unabhängig von der Bezeichnung steht fest, dass digitale Medien unser Leben nachhaltig verändert haben.
Read more
Wenn eins nicht genug ist
Alexandra Barcal, Konservatorin Graphische Sammlung ETH Zürich
|
24. January 2019
Die Welt besteht nicht nur aus einzelnen Dingen, sondern vielmehr aus einer Vielzahl von Zeichen und Wundern. Diesen Ansatz vertritt mit ihren collagierten Welten das Zürcher Küntlerduo huber.huber (Markus und Reto Huber, beide *1975).
Read more
Refresh Sammlungskatalog Online
Ann-Kathrin Seyffer, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
03. December 2018
Der Sammlungskatalog Online zeigt sich in einem neuen, frischen Kleid und lädt zur Entdeckung ein. Unabhängig von räumlichen und zeitlichen Grenzen warten mehr als 25 000 Werke aus den Beständen der Graphischen Sammlung ETH Zürich darauf, angeschaut, erforscht und genossen zu werden.
Read more
Eine vieldeutige Linie
Lena Schaller, Graphische Sammlung ETH Zürich
|
02. November 2018
Einfache Linien aus Bleistift ziehen sich über das Papier. Die Werkserie Desire Lines des Künstlerduos Baltensperger + Siepert weckt viele Assoziationen. Vielleicht denkt man an abstrakte Kunst oder erinnert sich an den Streit in der Académie royale, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts stattfand. Während die einen damals die Farbe bevorzugten, verteidigten die anderen klar die Linie.
Read more
Die Erfindung einer Marketingstrategie
Dr. Michael Matile, ehem. Konservator Graphische Sammlung ETH Zürich
|
02. November 2018
Mit einem prall gefüllten Rucksack humanistischer Bildung gelangte der Kupferstecher Marcantonio Raimondi 1510 über Florenz nach Rom. Er war auf der Suche nach Zusammenarbeit mit einem Maler für die gestochene Wiedergabe von dessen künstlerischen Erfindungen.
Read more