LOGBUCH DER GRAPHISCHEN SAMMLUNG

Manet und Hokusai – eine Begegnung bei Regen

«… der ostasiatische Einfluss bricht sich mit der Gewalt einer notwendigen Thatsache Bahn. Diejenigen, welche ihn ferner verkennen wollen, geben sich das Zeugnis, den Ursprung der modernen Bewegung zu verkennen…».

Diese entschieden formulierte Äußerung stammt von Roger Marx (1859–1913), einer der einflussreichsten Kunstkritiker seiner Zeit. Heute, mit einer zeitlichen Distanz von weit mehr als einem ganzen Jahrhundert, können wir seine Einschätzung als eine kunsthistorische Gewissheit wiederholen: Die Verinnerlichung japanischer Stilmittel gilt als einer der wichtigsten Grundsteine für die Entwicklung der europäischen Moderne.

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Utamaro und seine schönen Frauen: Aspekte der japanischen Frauen im achtzehnten Jahrhundert

Aufgrund ihrer großen Beliebtheit wurden Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts grosse Mengen an japanischen Holzschnitten in den Westen exportiert. Viele Holzschnitte landeten in den Sammlungen bekannter Kenner, wie zum Beispiel die Sammlung von Charles Gillot, die 1904 in Paris zum Verkauf angeboten wurden. Die Graphische Sammlung konnte über Woldemar von Seidlitz eine Reihe von Grafiken erwerben, die zum Verkauf standen, darunter auch solche mit schönen Frauen.

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Im Auge des Sturms – Farblithographien von Dominik Stauch

Dreht sich ein tropischer Wirbelsturm schnell genug, kann sich in den gewaltigen rotierenden Wolkenmassen bekanntlich ein windstilles Auge bilden. Diese Assoziation steigt unvermittelt in einem auf, wenn man die sechsteilige Serie mit dem sinnbildlichen Titel Hurricane von Dominik Stauch (*1962) betrachtet.

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Wortwörtliches ‘Nachäffen’: Boldrinis Affenlaokoon nach Tizian

Wie eine venezianische Druckgraphik aus dem 16. Jahrhundert ein antikes motivisches Vorbild adaptieren, reinterpretieren und in ein amüsantes, neues Gesamtes umformen kann, zeigt exemplarisch der Affenlaokoon des Holzschneiders Niccolò Boldrini (um 1500 – nach 1566).

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Die Vermessung der Welt

In der Druckgraphik von Meister GA mit der Fussangel wird nicht gleich die ganze Welt vermessen, jedoch ein Gesims. Damit gehört das Werk, zirka 1530 entstanden, zu den ersten überhaupt, in denen antike Architekturdetails mit Vermassungen angereichert wurden.

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Faszination Blau

Bei den einen ist die Pflanze als Rauschmittel beliebt, bei anderen wiederum als Heilmittel geschätzt. Die Schweizer Künstlerin Daniela Keiser hat Abbildungen von Cannabis im Internet gesammelt. In einem mehrstufigen Prozess setzte sie diese Bilder in der fotografischen Technik der Cyanotypie um, woraus Kunstwerke aus fein nuancierten Blautönen entstanden sind.

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Die Bibliothek als Wissensraum? Érik Desmazières’ Reflexionen über Raum und Zeit

In seinem Schaffen greift Érik Desmazières immer wieder die Bibliothek und das Archiv als Motiv auf. Sein Werk «La salle Labrouste de la Bibliothèque Nationale» weist dabei einen unmittelbaren Bezug zur Bibliothek und ihrer Räumlichkeit auf: Im Fokus steht die Architektur, wodurch die Leserschaft zu kaum erkennbaren Statisten reduziert wird. Demgegenüber nimmt der Raum in «L’Archiviste» eine ganz und gar metaphorische Rolle ein.

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Zum Gebrauch bestimmt. Was uns eine Zeichnung Jos Murers über effizientes Arbeiten im 16. Jh. erzählt

Die Graphische Sammlung ETH Zürich besitzt eine Federzeichnung von dem Zürcher Künstler Jos Murer (1530–1580), die auf den ersten Blick merkwürdig unfertig erscheint. Ganze Bildbereiche sind nur angedeutet und weisen gähnend leere Flächen auf. Die Figuren sind zwar klar umrissen, die Definition ihrer Binnenstrukturen beschränkt sich jedoch auf wenige Parallelschraffuren. Auffällig sind auch ein paar handschriftliche Notizen, die ohne Scheu auf den Blatt vermerkt wurden. Für einen wenig ehrfürchtigen Umgang mit dem Blatt spricht auch, dass es offensichtlich so oft auf- und wieder zusammengefaltet wurde, dass es schliesslich in vier Teile zerfiel und deshalb auf eine Unterlage aufgeklebt werden musste.

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Eingravierte Echos – Spuren einer besonderen Künstlerpersönlichkeit

Als 2018 die Winterthurer Künstlerin Jeannette Baumgartner im Alter von 60 Jahren stirbt, hinterlässt sie neben der tieftrauernden Familie auch ein schmales, jedoch dichtes graphisches Werk. Im Laufe ihrer relativ kurzen künstlerischen Tätigkeit hat sie ausdruckstarke Werke voll emotionaler Widerstände geschaffen. Ihre Schwester Irène Alice Baumgartner beschliesst diesem bemerkenswerten Oeuvre die, wenn auch posthume, so doch wohlverdiente Würdigung angedeihen zu lassen: dank ihrem Engagement nimmt 2020 die Graphische Sammlung ETH Zürich ein Konvolut an Radierungen und Zeichnungen in den eigenen Bestand auf.

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Camille Corot und das Cliché-verre

Ein junges Mädchen, mit dem Rücken zu uns, steht unter einem Baum. Den Blick leicht nach oben gerichtet und den rechten Arm erhoben, so, als würde sie jemandem in der Ferne zuwinken. Rechts von ihr kauert eine in Tuch gehüllte Gestalt mit kahlem Schädel: der Tod.

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Toter Gigant am Strand. Zu einer Darstellung eines gestrandeten Pottwals aus dem 17. Jahrhundert

Wir alle kennen aus der Presse Bilder gestrandeter Wale. Nichts zu empfinden beim Anblick der verendenden oder bereits toten Riesen mag nur den wenigsten gelingen. So ist es auch nur allzu natürlich, dass auf jenen Bildern Scharen von herbeigeeilten Menschen selten fehlen. Das drängende Verlangen, selbst Augenzeuge eines seltenen Naturereignisses zu werden, ist freilich kein Phänomen unserer Tage. Als am 3. Februar 1598 ein gewaltiger Pottwal an den Strand von Berckhey gespült wurde, löste dieses Ereignis eine regelrechte Massenansammlung aus.

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Das Unternehmen Daniel Hopfer

Der Nürnberger Verleger David Funck kaufte im späten 17. Jahrhundert 230 Platten von der Künstlerfamilie Hopfer auf, versah jede in einer willkürlichen Art mit einer Nummer und brachte unter dem Titel «Opera Hopferiana» von diesen Platten Abzüge heraus. Wie die vielen Folgeauflagen beweisen, waren diese Blätter begehrte Objekte für Sammlerinnen und Sammler jener Zeit. Sie stammen aus der Werkstatt des vielseitig begabten Augsburger Meisters Daniel Hopfer (ca. 1470 – 1536), der sowohl als Waffenätzer wie auch als Zeichner oder Graphiker tätig war. Seine Werke sind mit den Majuskeln «D H» und dem Symbol der Hopfendolde monogrammiert.

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Zwei Meisterinnen des Farblinolschnittes

Graphische Sammlung ETH Zuerich Blog Lill TschudiBarcal

Als sich Lill Tschudi (1911–2004), die grosse Schweizer Linolschneiderin, 1929 an der Grosvenor School in London für den Linolschnittkurs einschreibt, so hat dies in erster Linie mit ihrem künstlerischen Vorbild zu tun. Auf einer ihrer Reisen mit ihrer Mutter und Schwester weilt die junge Glarnerin einmal in Antwerpen und besucht dort den Königlichen Zoologischen Garten. In einer Ausstellung sieht sie hier zum ersten Mal die farbenprächtigen Werke der populären österreichischen Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth (1891–1978) und ist von der üppigen Szenerie und exotischen Fauna auf den Darstellungen auf Anhieb tief beeindruckt.

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Architekturprofile

Die beiden Radierungen sind sich erstaunlich ähnlich: Beide bilden ein Sammelsurium von Elementen der klassischen Architektur ab, die in einem Rahmen eingefasst und arrangiert wurden. Die Kombination dieser Fragmente erscheint sowohl als grafische Fingerübung, bei der architektonische Motive eine Komposition aus orthogonalen und diagonalen Elementen bilden, wie auch als eine perspektivische Darstellung von Gebäudefragmenten, die zu einer unrealistischen Konstruktion zusammengefügt wurden. Die eine scheint einen Ausschnitt eines fiktiven Gebäudedetails zu zeigen, die andere eine Ansicht von sich überlagernden Gebäuden.

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Am Entschwinden

Irene Kopelman (*1974) zeichnet auf Expeditionen. Wer allerdings wissenschaftliche Darstellungen erwartet, wird erstaunt sein. Die Künstlerin hält nicht akribisch jedes Detail fest, sondern erfasst in ihren filigranen Zeichnungen stets wenige Strukturen – vom Urwald etwa oder von einem Gletscher wie in der Serie «Fragments from Aletschgletscher» (2013).

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No News!

Auf den ersten Blick erscheinen die Notional Newspapers (2005–2019) von Mark Manders (*1968) wie Ausgaben einer handelsüblichen Tageszeitung. Doch Überschriften wie «Hypocotyl Raki», «Curculio Bassos» oder «Kyphosis Leaf» rütteln gehörig am vertrauten Bild.

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Vom Reiz der Leerstelle. Hendrick Goltzius’ Kupferstich Anbetung der Hirten

Die Anbetung der Hirten ist einer der letzten Kupferstiche, an denen Goltzius arbeitete, bevor er sich ab 1600 primär der Malerei zuwandte. Der Abzug in der Graphischen Sammlung ETH Zürich stammt vom letzten Zustand der aus unbekannten Gründen von Goltzius nie fertiggestellten, aber nach seinem Tod noch mehrfach modifizierten Platte.

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Wanderlust!

Seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr habe ich nur einmal in einem Flugzeug gesessen. Das für mich selbstverständliche Reisen – für Vorträge, für Forschungen, für Ferien – ist zu einem raren Gut geworden. Die Menschen bewegen sich nicht nur weniger weit als vor einem Jahr. Sie scheinen auch langsamer zu gehen, müder und beschwerter. Auch ich spüre ein Gefühl der Lähmung. Auf Spaziergängen in die Umgebung denke ich ans Meer und die Wüste. Ich blicke den Kondensstreifen von Flugzeugen nach. In Büchern und am Computer begebe ich mich auf Lehnstuhl-Reisen. Vielleicht stach mir deshalb beim Stöbern durch den Online-Sammlungskatalog der Graphischen Sammlung ein Werk von Martin Schongauer ins Auge.

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Im ewigen Auf und Ab – Über die gewichtige Leichtigkeit des Seins

Die ETH Zürich besitzt mit der Graphischen Sammlung nicht nur eine der grössten Sammlungen für Kunst auf Papier in der Schweiz, die technische Hochschule fördert bei ihren Neubauprojekten auch gezielt Kunst am Bau: Für Basel, wo die ETH Zürich ein neues Forschungsgebäude für das Departement Biosysteme (D-​BSSE) errichtet, hat der Schweizer Künstler Yves Netzhammer (*1970) eine bewegliche Installation entworfen, die auf seinen Erfahrungen im Rahmen des Ausstellungsprojektes «Gravitatorische Behauptungen» in der Graphischen Sammlung 2019/2020 basiert.

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Kaleidoskopische Collagen

Täglich blätterte die österreichisch-schweizerische Künstlerin Elisabeth Wild (1922–2020) in einem beinahe meditativen Prozess durch Mode-, Kunst- und Architekturzeitschriften, stets auf der Suche nach brauchbarem Material für ihre spannungsvollen Bildarrangements. Ausgestattet mit einer Schere nahm sich Wild der glamourösen Scheinwelt der Hochglanzmagazine an und collagierte ausgewählte Bildfragmente zu neuen künstlichen Bildwelten. Lose Papierflächen, bunt bedruckt und wesensfremd, fügte sie mit traumwandlerischer Sicherheit zu fantasievollen Gesamtkompositionen.

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Ganz bei sich

«In meiner Arbeit geht es auch um die bewusste Reduktion auf die Momente, in denen man sich selbst genügt.» so Zilla Leutenegger. Im Werk der Schweizer Künstlerin taucht oft eine einzelne Figur im Raum auf. Meist ist es ihr Alter Ego, das mit kleinen, banalen Alltagshandlungen beschäftigt ist oder ganz einfach nichts tut: Schlafen, Ruhen, Warten, sich Langweilen.

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Ausschneiden und Aufkleben. Ein Fächer für die Damen von Agostino Carracci

Die moderne Präsentation von Altmeistergraphik in Sammlungen lässt uns nur allzu leicht vergessen, dass die bedruckten Blätter ganz unterschiedliche Funktionen hatten, bevor sie zu rein musealen Objekten wurden. Ein Kupferstich von Agostino Carracci (1557–1602) ist gut geeignet, sich diese Tatsache einmal mehr in Erinnerung zu rufen. Das Blatt war nämlich dazu gedacht, ausgeschnitten und dann auf einen formgleichen Karton aufgeklebt zu werden, um einer Dame als Fächer zu dienen.

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Vom Bleibenden im Momenthaften

Wem ist sie nicht aufgefallen, die grosse Dominique, die die Besucherinnen und Besucher der Graphischen Sammlung ETH Zürich mit ihrem unergründlichen Lächeln zu begrüssen pflegt. Das verblüffende Porträt, das mit seinem inneren Strahlen und einer ungeheuren Präsenz besticht und die Betrachterinnen und Betrachter zwischen Faszination und Irritation schweben lässt, hängt im Korridor zum Ausstellungssaal.

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Begleiter in der Jackentasche – 33 Skizzenbücher des Architekten Julius Stadler

Skizzenbücher, vor allem, wenn sie dauernd als Begleiter in der Jackentasche stecken, sind für Architekten so etwas wie Tagebücher. Sie geben einen Einblick in die persönliche Entwicklung und halten prägende Eindrücke fest. Von dem Architekten Julius Stadler (1828–1904) besitzt die Graphische Sammlung ETH Zürich ganze 33 Stück – und das ist nur ein Teilbestand, denn gefüllt hat er noch einige Skizzenbücher mehr. In seinem Fall dokumentieren die Bücher nicht nur seine Entwicklung. An ihnen lässt sich ebenfalls sein beruflicher Werdegang ablesen, wie die folgenden Ausführungen zeigen.

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Kommen und Gehen bei Rembrandt

Gemeinsam mit dem Verbrecher Barabbas steht der gefolterte Christus mit gefesselten Händen auf einer Tribüne vor der Menge. Ihr überlässt der römische Statthalter Pontius Pilatus die Entscheidung, wer von beiden frei gelassen werden soll. Ganz links ist ein Diener mit Wasserkrug und jener Schüssel zu sehen, in der sich Pilatus seine Hände in Unschuld waschen wird.

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Spirituelle Übungen

Eine Verletzung veränderte sein Leben. Als Ignatius von Loyola im Krieg schwer verwundet wurde, löste dies eine Hinwendung zu Gott aus. Er ging auf Pilgerreise und beschrieb seine Erfahrungen später in den sogenannten Ignatianischen Exerzitien. Diese Schriften aus dem 16. Jahrhundert bestehen aus einer Reihe geistlicher Übungen, die zu Gebet, Meditation und Kontemplation anleiten.

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Der erste Matisse der Graphischen Sammlung

Im Jahr 1929 kaufte die Graphische Sammlung ETH Zürich unter Konservator Rudolf Bernoulli ihren ersten Matisse an. Steht der Künstler heute für eine gefeierte Position, so spaltete er damals die (inter-)nationale Kunstszene. Umso interessanter ist es, dass die 1926/27 entstandene Arbeit aus der Folge «Dix danseuses» nur wenige Jahre nach ihrem Entstehen den Weg in die Zürcher Sammlung fand.

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Spiel mit der Wahrnehmung. Zum Tod von Markus Raetz

Mit Humor und leiser Ironie forderte Markus Raetz unsere Wahrnehmung heraus. In seinen schlichten, durchdachten Werken thematisierte er ohne theoretischen Überbau ganz direkt, wie wir Kunst erfassen. Nun ist der international bekannte Künstler (1941 – 2020) verstorben. Ein Nachruf auf eine herausragende Persönlichkeit der Schweizer Kunstszene.

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Schattenreiche Architektur des Weltwissens

Reihenweise zirkulär angeordnete Archivschränke aus Holz, scheinbar bis in alle Unendlichkeit fortlaufend – kein Ziel und kein Ende in Sicht. Durch eine prachtvolle Glaskuppel, die über den unzähligen Zettelkästen thront, dringt Tageslicht in den ansonsten düster wirkenden Raum. Helle Sonnenstrahlen beleuchten die träge, staubige Luft und werfen lange Schatten auf das in die Jahre gekommene Inventar.

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… als die Gletscher noch wuchsen

Der Winter 2019/20 geht als einer der wärmsten in die Geschichte ein. Mit Besorgnis wird festgestellt, dass auch die Eismassen der Gletscher schmelzen. Das war nicht immer so. Während der «Kleinen Eiszeit» wuchsen die Gletscher, wie man auch anhand der Zeichnung des Schweizer Hochgebirgsmalers Caspar Wolf (1735-1783) gut nachprüfen kann.

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Wenn alte Bräuche Neues entdecken lassen

Peter Kneubühler (1944-1999) war seines Zeichens ein weit über die Grenzen Zürichs, ja international bekannter Kupferdrucker. Als 2008 sein Nachlass in die Graphische Sammlung ETH Zürich kam, war darunter auch eine Kuriosität:

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Andenken aus der Hölle. Ein Kupferstich aus dem 15. Jahrhundert mahnt zur Tugend

Ziemlich viel und erstaunlich detailliert berichtet ein gerade mal 23 x 29 cm großer Kupferstich über den «Alltag in der Hölle», von dem die Graphische Sammlung ETH Zürich einen der seltenen gut erhaltenen Abzüge besitzt.

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Was für ein exotisches Tier!

Es war eine absolute Sensation! Im Mai 1515 kam ein lebendes Nashorn per Schiff in Belém, einem Vorort von Lissabon, an. Das indische Rhinozeros war als diplomatisches Geschenk aus Goa, damals Teil der portugiesischen Kolonie, übers Meer transportiert worden. So ein Tier hatte man in Europa seit dem Altertum nicht mehr gesehen. Die Ankunft des exotischen Kolosses löste am Hafen denn auch einen veritablen Tumult aus. Doch nicht nur in Portugal hörte man von der Ankunft des seltsamen Wesens. Auch Albrecht Dürer aus Nürnberg vernahm es und entschied sogleich, davon einen Holzschnitt anzufertigen.

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Glückliche Umstände

Wie wunderbar ist es, wenn Talent, Wille und Förderung aufeinandertreffen! Dies zeigt das Leben von Elisabetta Sirani (1638-1665), deren Karriere durch ihren frühen Tod mit 27 Jahren ein abruptes Ende nahm. In ihrem kurzen Leben war es ihr nicht nur gelungen, zu einer weit über die Grenzen ihrer Geburtsstadt Bologna hinaus geschätzten Malerin zu werden, gleichzeitig war sie Leiterin einer florierenden Werkstatt, Mitglied in der renommierten Accademia di San Luca in Rom und Gründerin einer Kunstakademie für Frauen.

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Kein Durchkommen

Der Bauboom hat seit längerem alle Grossstädte im Griff. Es gibt keine Metropole, bei der man nicht täglich an mehreren Baukränen vorbeikäme – und die urbane Entwicklung nimmt immer noch weiter Fahrt auf. Die spanische Künstlerin Lara Almarcegui (*1972) thematisiert mit ihren Arbeiten diese massive Durchgestaltung von Städten und ergründet die komplexen Beziehungen zwischen Baumaterialien, Konstruktion und Zerfall der gebauten Welt. So auch vor einigen Jahren in Zürich.

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Es geschah am helllichten Tag

Als Félix Vallotton 1897-98 seine Holzschnitt-Serie «Intimités» schuf, hielt er auf jedem der zehn Blätter ein Liebespaar fest. Alle sind äusserst elegant gekleidet und befinden sich in gediegenen Wohnungen. Es ging dem Schweizer Künstler (1865-1925) aber keineswegs darum, traute Zweisamkeit zu zelebrieren oder eine harmonisch-glückliche Verbindung in verschiedenen Konstellationen durchzuspielen. Vielmehr zielte er kritisch auf die Doppelmoral der damaligen Pariser Gesellschaft ab.

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Kunst, Bettler*innen und die Politik der Armut

Andrea Büttner (*1972) befasst sich in ihrem Künstlerinnenbuch Beggars mit der Darstellung von Bettler*innen in der Kunstgeschichte: «This book is about art and poverty, art history and beggars, shepherds and kings. It is about a theology and politics of poverty» (In diesem Buch geht es um Kunst und Armut, Kunstgeschichte und Bettler, Hirten und Könige. Es geht um Theologie und die Politik der Armut; Büttner 2018).
Die Publikation enthält neben den Holzschnitten und Untersuchungen der Künstlerin, Beiträge von Christopher P. Heuer, Linda Nochlin (1931-2017) und Anne Carson (*1950).

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Fortschritt durch Querschnitt

Schnittbilder im Dienste der Aufklärung.
Zur Etablierung eines neuen Weltbildes sind naturgemäss Bilder recht nützlich. Es überrascht also nicht, dass Bilder im ehrgeizigsten und umfangreichsten publizistischen Grossunternehmen der französischen Aufklärung eine unentbehrliche Funktion übernahmen.

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Von blöden Blumen und dummen Lilien

Die Graphikfolge «Silly Lilies» von Thomas Schütte.

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Freude am Scheitern: Lauren Klotzmans Meat Joy Error Failure

Ding Unding Graphische Sammlung ETH Zürich Schaller Lauren Klotzman

Unsere Zeit wird mit verschiedensten Begriffen zu beschreiben versucht. Leben wir in der «post-industriellen Gesellschaft», dem «Informationszeitalter» oder doch in der «technotronischen Ära»? Unabhängig von der Bezeichnung steht fest, dass digitale Medien unser Leben nachhaltig verändert haben.

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Wenn eins nicht genug ist

Die Welt besteht nicht nur aus einzelnen Dingen, sondern vielmehr aus einer Vielzahl von Zeichen und Wundern. Diesen Ansatz vertritt mit ihren collagierten Welten das Zürcher Küntlerduo huber.huber (Markus und Reto Huber, beide *1975).

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Refresh Sammlungskatalog Online

Der Sammlungskatalog Online zeigt sich in einem neuen, frischen Kleid und lädt zur Entdeckung ein. Unabhängig von räumlichen und zeitlichen Grenzen warten mehr als 25 000 Werke aus den Beständen der Graphischen Sammlung ETH Zürich darauf, angeschaut, erforscht und genossen zu werden.

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Eine vieldeutige Linie

Lines

Einfache Linien aus Bleistift ziehen sich über das Papier. Die Werkserie Desire Lines des Künstlerduos Baltensperger + Siepert weckt viele Assoziationen. Vielleicht denkt man an abstrakte Kunst oder erinnert sich an den Streit in der Académie royale, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts stattfand. Während die einen damals die Farbe bevorzugten, verteidigten die anderen klar die Linie.

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Die Erfindung einer Marketingstrategie

Mit einem prall gefüllten Rucksack humanistischer Bildung gelangte der Kupferstecher Marcantonio Raimondi 1510 über Florenz nach Rom. Er war auf der Suche nach Zusammenarbeit mit einem Maler für die gestochene Wiedergabe von dessen künstlerischen Erfindungen.

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