LOGBUCH DER GRAPHISCHEN SAMMLUNG

Ausschneiden und Aufkleben. Ein Fächer für die Damen von Agostino Carracci

Die moderne Präsentation von Altmeistergraphik in Sammlungen lässt uns nur allzu leicht vergessen, dass die bedruckten Blätter ganz unterschiedliche Funktionen hatten, bevor sie zu rein musealen Objekten wurden. Ein Kupferstich von Agostino Carracci (1557–1602) ist gut geeignet, sich diese Tatsache einmal mehr in Erinnerung zu rufen. Das Blatt war nämlich dazu gedacht, ausgeschnitten und dann auf einen formgleichen Karton aufgeklebt zu werden, um einer Dame als Fächer zu dienen.

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Henri Matisse’ graphische Qualitäten

Beim jüngsten Sammlungseingang von Henri Matisse (1869–1954) in die Graphische Sammlung ETH Zürich im Jahre 2007 handelt es sich um die Kreidelithographie «Le repos du modèle» , 1922. Mit diesem Blatt kehrte Matisse nach über fünf Jahren zur Druckgraphik zurück. Insbesondere die vielseitige Technik der Lithographie erlaubte es ihm, die zeichnerische Handschrift nuancenreich sichtbar zu machen. Gerade deshalb gilt es zu betonen, dass Matisse nicht «nur» Maler und Kolorist war, sondern im gleichen Masse Zeichner, Graphiker und Bildhauer.

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Vom Bleibenden im Momenthaften

Wem ist sie nicht aufgefallen, die grosse Dominique, die die Besucherinnen und Besucher der Graphischen Sammlung ETH Zürich mit ihrem unergründlichen Lächeln zu begrüssen pflegt. Das verblüffende Porträt, das mit seinem inneren Strahlen und einer ungeheuren Präsenz besticht und die Betrachterinnen und Betrachter zwischen Faszination und Irritation schweben lässt, hängt im Korridor zum Ausstellungssaal.

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Begleiter in der Jackentasche – 33 Skizzenbücher des Architekten Julius Stadler

Skizzenbücher, vor allem, wenn sie dauernd als Begleiter in der Jackentasche stecken, sind für Architekten so etwas wie Tagebücher. Sie geben einen Einblick in die persönliche Entwicklung und halten prägende Eindrücke fest. Von dem Architekten Julius Stadler (1828–1904) besitzt die Graphische Sammlung ETH Zürich ganze 33 Stück – und das ist nur ein Teilbestand, denn gefüllt hat er noch einige Skizzenbücher mehr. In seinem Fall dokumentieren die Bücher nicht nur seine Entwicklung. An ihnen lässt sich ebenfalls sein beruflicher Werdegang ablesen, wie die folgenden Ausführungen zeigen.

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Kommen und Gehen bei Rembrandt

Gemeinsam mit dem Verbrecher Barabbas steht der gefolterte Christus mit gefesselten Händen auf einer Tribüne vor der Menge. Ihr überlässt der römische Statthalter Pontius Pilatus die Entscheidung, wer von beiden frei gelassen werden soll. Ganz links ist ein Diener mit Wasserkrug und jener Schüssel zu sehen, in der sich Pilatus seine Hände in Unschuld waschen wird.

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Spirituelle Übungen

Eine Verletzung veränderte sein Leben. Als Ignatius von Loyola im Krieg schwer verwundet wurde, löste dies eine Hinwendung zu Gott aus. Er ging auf Pilgerreise und beschrieb seine Erfahrungen später in den sogenannten Ignatianischen Exerzitien. Diese Schriften aus dem 16. Jahrhundert bestehen aus einer Reihe geistlicher Übungen, die zu Gebet, Meditation und Kontemplation anleiten.

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Der erste Matisse der Graphischen Sammlung

Im Jahr 1929 kaufte die Graphische Sammlung ETH Zürich unter Konservator Rudolf Bernoulli ihren ersten Matisse an. Steht der Künstler heute für eine gefeierte Position, so spaltete er damals die (inter-)nationale Kunstszene. Umso interessanter ist es, dass die 1926/27 entstandene Arbeit aus der Folge «Dix danseuses» nur wenige Jahre nach ihrem Entstehen den Weg in die Zürcher Sammlung fand.

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Spiel mit der Wahrnehmung. Zum Tod von Markus Raetz

Mit Humor und leiser Ironie forderte Markus Raetz unsere Wahrnehmung heraus. In seinen schlichten, durchdachten Werken thematisierte er ohne theoretischen Überbau ganz direkt, wie wir Kunst erfassen. Nun ist der international bekannte Künstler (1941 – 2020) verstorben. Ein Nachruf auf eine herausragende Persönlichkeit der Schweizer Kunstszene.

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Schattenreiche Architektur des Weltwissens

Reihenweise zirkulär angeordnete Archivschränke aus Holz, scheinbar bis in alle Unendlichkeit fortlaufend – kein Ziel und kein Ende in Sicht. Durch eine prachtvolle Glaskuppel, die über den unzähligen Zettelkästen thront, dringt Tageslicht in den ansonsten düster wirkenden Raum. Helle Sonnenstrahlen beleuchten die träge, staubige Luft und werfen lange Schatten auf das in die Jahre gekommene Inventar.

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… als die Gletscher noch wuchsen

Der Winter 2019/20 geht als einer der wärmsten in die Geschichte ein. Mit Besorgnis wird festgestellt, dass auch die Eismassen der Gletscher schmelzen. Das war nicht immer so. Während der «Kleinen Eiszeit» wuchsen die Gletscher, wie man auch anhand der Zeichnung des Schweizer Hochgebirgsmalers Caspar Wolf (1735-1783) gut nachprüfen kann.

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Wenn alte Bräuche Neues entdecken lassen

Peter Kneubühler (1944-1999) war seines Zeichens ein weit über die Grenzen Zürichs, ja international bekannter Kupferdrucker. Als 2008 sein Nachlass in die Graphische Sammlung ETH Zürich kam, war darunter auch eine Kuriosität:

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Andenken aus der Hölle. Ein Kupferstich aus dem 15. Jahrhundert mahnt zur Tugend

Ziemlich viel und erstaunlich detailliert berichtet ein gerade mal 23 x 29 cm großer Kupferstich über den «Alltag in der Hölle», von dem die Graphische Sammlung ETH Zürich einen der seltenen gut erhaltenen Abzüge besitzt.

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Was für ein exotisches Tier!

Es war eine absolute Sensation! Im Mai 1515 kam ein lebendes Nashorn per Schiff in Belém, einem Vorort von Lissabon, an. Das indische Rhinozeros war als diplomatisches Geschenk aus Goa, damals Teil der portugiesischen Kolonie, übers Meer transportiert worden. So ein Tier hatte man in Europa seit dem Altertum nicht mehr gesehen. Die Ankunft des exotischen Kolosses löste am Hafen denn auch einen veritablen Tumult aus. Doch nicht nur in Portugal hörte man von der Ankunft des seltsamen Wesens. Auch Albrecht Dürer aus Nürnberg vernahm es und entschied sogleich, davon einen Holzschnitt anzufertigen.

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Glückliche Umstände

Wie wunderbar ist es, wenn Talent, Wille und Förderung aufeinandertreffen! Dies zeigt das Leben von Elisabetta Sirani (1638-1665), deren Karriere durch ihren frühen Tod mit 27 Jahren ein abruptes Ende nahm. In ihrem kurzen Leben war es ihr nicht nur gelungen, zu einer weit über die Grenzen ihrer Geburtsstadt Bologna hinaus geschätzten Malerin zu werden, gleichzeitig war sie Leiterin einer florierenden Werkstatt, Mitglied in der renommierten Accademia di San Luca in Rom und Gründerin einer Kunstakademie für Frauen.

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Kein Durchkommen

Der Bauboom hat seit längerem alle Grossstädte im Griff. Es gibt keine Metropole, bei der man nicht täglich an mehreren Baukränen vorbeikäme – und die urbane Entwicklung nimmt immer noch weiter Fahrt auf. Die spanische Künstlerin Lara Almarcegui (*1972) thematisiert mit ihren Arbeiten diese massive Durchgestaltung von Städten und ergründet die komplexen Beziehungen zwischen Baumaterialien, Konstruktion und Zerfall der gebauten Welt. So auch vor einigen Jahren in Zürich.

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Es geschah am helllichten Tag

Als Félix Vallotton 1897-98 seine Holzschnitt-Serie «Intimités» schuf, hielt er auf jedem der zehn Blätter ein Liebespaar fest. Alle sind äusserst elegant gekleidet und befinden sich in gediegenen Wohnungen. Es ging dem Schweizer Künstler (1865-1925) aber keineswegs darum, traute Zweisamkeit zu zelebrieren oder eine harmonisch-glückliche Verbindung in verschiedenen Konstellationen durchzuspielen. Vielmehr zielte er kritisch auf die Doppelmoral der damaligen Pariser Gesellschaft ab.

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Kunst, Bettler*innen und die Politik der Armut

Andrea Büttner (*1972) befasst sich in ihrem Künstlerinnenbuch Beggars mit der Darstellung von Bettler*innen in der Kunstgeschichte: «This book is about art and poverty, art history and beggars, shepherds and kings. It is about a theology and politics of poverty» (In diesem Buch geht es um Kunst und Armut, Kunstgeschichte und Bettler, Hirten und Könige. Es geht um Theologie und die Politik der Armut; Büttner 2018).
Die Publikation enthält neben den Holzschnitten und Untersuchungen der Künstlerin, Beiträge von Christopher P. Heuer, Linda Nochlin (1931-2017) und Anne Carson (*1950).

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Fortschritt durch Querschnitt

Schnittbilder im Dienste der Aufklärung.
Zur Etablierung eines neuen Weltbildes sind naturgemäss Bilder recht nützlich. Es überrascht also nicht, dass Bilder im ehrgeizigsten und umfangreichsten publizistischen Grossunternehmen der französischen Aufklärung eine unentbehrliche Funktion übernahmen.

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Von blöden Blumen und dummen Lilien

Die Graphikfolge «Silly Lilies» von Thomas Schütte.

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Freude am Scheitern: Lauren Klotzmans Meat Joy Error Failure

Ding Unding Graphische Sammlung ETH Zürich Schaller Lauren Klotzman

Unsere Zeit wird mit verschiedensten Begriffen zu beschreiben versucht. Leben wir in der «post-industriellen Gesellschaft», dem «Informationszeitalter» oder doch in der «technotronischen Ära»? Unabhängig von der Bezeichnung steht fest, dass digitale Medien unser Leben nachhaltig verändert haben.

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Wenn eins nicht genug ist

Die Welt besteht nicht nur aus einzelnen Dingen, sondern vielmehr aus einer Vielzahl von Zeichen und Wundern. Diesen Ansatz vertritt mit ihren collagierten Welten das Zürcher Küntlerduo huber.huber (Markus und Reto Huber, beide *1975).

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Refresh Sammlungskatalog Online

Der Sammlungskatalog Online zeigt sich in einem neuen, frischen Kleid und lädt zur Entdeckung ein. Unabhängig von räumlichen und zeitlichen Grenzen warten mehr als 25 000 Werke aus den Beständen der Graphischen Sammlung ETH Zürich darauf, angeschaut, erforscht und genossen zu werden.

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Eine vieldeutige Linie

Lines

Einfache Linien aus Bleistift ziehen sich über das Papier. Die Werkserie Desire Lines des Künstlerduos Baltensperger + Siepert weckt viele Assoziationen. Vielleicht denkt man an abstrakte Kunst oder erinnert sich an den Streit in der Académie royale, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts stattfand. Während die einen damals die Farbe bevorzugten, verteidigten die anderen klar die Linie.

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Die Erfindung einer Marketingstrategie

Mit einem prall gefüllten Rucksack humanistischer Bildung gelangte der Kupferstecher Marcantonio Raimondi 1510 über Florenz nach Rom. Er war auf der Suche nach Zusammenarbeit mit einem Maler für die gestochene Wiedergabe von dessen künstlerischen Erfindungen.

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