Dienstag, 24. April 2018, 18:00 Vernissage

Irene Kopelman ist für ihre Zeichnungen bekannt. Ihre Motive sind meist auf Strukturen reduziert, nur im Ungefähren auf die Orte anspielend, die sie mit ihrem Bleistift erfasst. Die argentinische Künstlerin (*1974), die ihre Zeit zwischen Amsterdam und Argentinien aufteilt, arbeitet dabei nicht alleine für sich in der Natur, sondern begleitet Wissenschaftler/innen auf ihren Expeditionen. Im Jahre 2010 war sie auf einem Segelschiff in der Antarktis unterwegs und versuchte, während der Expedition die Berge am Horizont zu Papier zu bringen – trotz der höchst schwierigen Wetterbedingungen mit dichtem Nebel, kaltem Wind, Schneefall und hohen Wellen.

Zwei Jahre später begann sie ein weiteres Projekt, das mit Bergen zu tun hat. Dieses Mal interessierte sie sich für Gletscher und Lawinen der Schweizer Alpen und arbeitete mit Forschenden des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft zusammen. Die gezeichneten Berglandschaften entstanden im Zusammenhang mit ihrer Residenz in der Stiftung Laurenz-Haus Basel (2012-13) sowie auf weiteren, nachfolgenden Reisen in die Alpen. Wieder setzte sie sich den Orten und den Wetterbedingungen (die sie oft am Zeichnen hinderten) aus, und wieder lernte sie von den Spezialisten: Kopelman begann die Komplexität der Gletscher und damit auch die konstanten Formveränderungen zu verstehen und erfuhr, wie diese von den Wissenschaftlern/innen analysiert und katalogisiert wurden. Die Teilnahme an Expeditionen und ihre Fähigkeit, sich dem Rhythmus, ja dem Tempo der Expedition wie auch der Landschaft anzupassen, sind für ihre Arbeit essentiell. Ihre künstlerische Recherche mündet in feine zarte Zeichnungen wie auch in Bücher, in denen sie ihre Erfahrungen auf den Forschungsreisen und ihre Beteiligung an der Expedition beschreibt und gleichzeitig eine Analyse der „Repräsentation“ herausarbeitet.
In der Ausstellung in der Graphischen Sammlung ETH Zürich werden ihre Zeichnungen wie auch einige Porzellanstücke der Alpen in Kombination mit Werken aus der Sammlung präsentiert: unter anderen begegnet man Panoramen von Hans Conrad Escher von der Linth aus dem frühen 19. Jahrhundert oder Zeichnungen und Aquarelle von gletscherbedeckten Bergen von Caspar Wolf aus dem 18. Jahrhundert. Auch wenn diese historischen Werke immer als Kunst begriffen wurden, so waren sie doch gleichzeitig immer auch wichtige Quellen für Wissenschaftler/innen und ihre Forschungen. Kopelmans Werke erlauben in Kombination mit jenen aus der Sammlung einen Einblick in die Geschichte der Darstellung von Alpen, über die, wie Kopelman schreibt, „…viele grossartige Philosophen nachgesonnen haben, die von unzähligen Künstlern/innen gezeichnet und gemalt, die interpretiert, theoretisiert und millionenfach dargestellt wurden.“ Sie fragt danach, was eine Künstlerin / ein Künstler zu dieser langen Tradition von Bergdarstellungen hinzufügen kann.

Kuratorin: Linda Schädler

Dienstag, 28. August 2018, 18:00 Vernissage

Im Zentrum der künstlerischen Untersuchungen von Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser steht oft die kritische Befragung gesellschaftsbezogener Machtkonstellationen. Dazu gehört auch das Kunstsystem mit seinen schwer zu durchschauenden sozio-ökonomischen Zusammenhängen. Typisch für ihre Herangehensweise sind die Zusammenarbeit mit weiteren Personen (daher das «& co» im Namen), die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsort und ihre Beschäftigung mit Sprache. Chiarenza und Hauser werfen in ihren Werken gerade auch mit Sprache – oftmals ironisch gebrochen – kritische Fragen zu Macht- sowie Symbolisierungs- und Darstellungsstrukturen auf.
Ein Ausgangspunkt der Ausstellung in der Graphischen Sammlung ETH Zürich ist William Hogarths «Analysis of Beauty» (1753), zwei Graphik-Blätter aus der eigenen Sammlung. Darin begreift Hogarth die Schlangenlinie als analytische Reihe und unterwirft sie einem System von Variationen, aus denen er schliesslich Darstellungsformen von Menschen ableitet. Anhand dieser und weiterer Sammlungsstücke befragt RELAX in ihrer Installation, wie Körper und Räume in einem kulturell konnotierten Umfeld gefasst werden und wo Übergänge zu einer alternativen Lesart auszumachen sind.

Kuratorin: Linda Schädler

Dienstag, 13. November 2018, 18:00 Vernissage

Thomas Schütte (*1954) gehört zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Als wohl bedeutendster deutscher Bildhauer unserer Zeit ist er auch in der Schweiz bislang vor allem mit seinen Skulpturen in Erscheinung getreten. Schütte ist aber auch ein genuiner Zeichner: nach dem Besuch der Documenta 5 (1972) beginnt der Achtzehnjährige zu zeichnen; ein Jahr darauf immatrikuliert er sich an der Kunstakademie in Düsseldorf. Mit der ihm eigenen grossen Unabhängigkeit und technischen Virtuosität, die sein gesamtes Werk auszeichnen, arbeitet Schütte seit langem auch an einem meisterhaften graphischen Oeuvre. Seit 2001 produziert Schütte seine graphischen Blätter, die er mit Vorliebe zu Folgen und Zyklen ausweitet, in Zusammenarbeit mit Till Verclas. Mit dem renommierten Drucker aus Hamburg schuf er Werke von ungeahnter Schönheit und stiller Poesie, voll intimer Momente, aber auch existenzieller Abgründe und Brüche. Dieses ausserordentlich dichte Schaffen gilt es in einer sorgfältigen Auswahl von Werken aus öffentlichen wie privaten Sammlungen aus der Schweiz und dem Ausland zu entdecken.

Kuratorin: Alexandra Barcal