Kuratorin: Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich

Mit freundlicher Unterstützung durch:

Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung und
Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung

Die Werke von Yves Netzhammer (*1970), der in Zürich lebt und arbeitet, haben ihren Ursprung im digitalen Raum, der für den Künstler eng verwandt mit dem Raum der eigenen Imagination ist. In den Zeichnungen und Animationsfilmen des international renommierten Schweizer Künstlers werden die Grenzen, Berührungspunkte und Übergänge zwischen Subjekt und Welt, zwischen realen und virtuellen Ebenen untersucht. Seine Figuren und Szenerien, die er mit der Maus am Computer zeichnet oder in 3D-Computeranimationsprogrammen realisiert, kreisen um Mischwesen und Fusionen aus Disparatem. Sie scheinen einer surreal rätselhaften und doch intuitiv zugänglichen Matrix entsprungen zu sein, die auch eine fortlaufende Veränderung der Gestalten und Kontexte beinhaltet – durch deren «transformative Permutation» gleichzeitig auch über unsere Gegenwart modellhaft reflektiert wird.

Die Graphische Sammlung ETH Zürich realisiert immer wieder Ausstellungsprojekte an der Schnittstelle zu ETH-Disziplinen. Vor diesem Hintergrund ist auch die Kooperation zwischen Yves Netzhammer und der international renommierten Professur für Architektur und Digitale Fabrikation, Gramazio Kohler Research (http://gramaziokohler.arch.ethz.ch/), am Departement Architektur entstanden. Im initiierten Austausch hat sich rasch gezeigt, dass der Faden eine zentrale Rolle im gemeinsamen Projekt spielen soll. Einerseits kommt das Material wiederholt in den Bildwelten des Künstlers vor, andererseits greifen auch die Architekten Fabio Gramazio und Matthias Kohler bei ihrer Forschung auf Geflechte aus Schnur, Garn oder Faser zurück. Hier lässt sich wortwörtlich anknüpfen: das digital gezeichnete Liniengefüge erfährt eine Erweiterung in den Raum. Geplant ist eine raumgreifende Installation mit Robotern, die für die digitale Fabrikation in der Architektur an der ETH entwickelt worden sind. Diese Apparaturen sollen um neue Funktionen erweitert und an zusätzliche Anforderungen angepasst werden. Während man die eine einen Faden nach Zeichnungen von Netzhammer legen lässt, wird die andere eine durch das Gleichgewicht bestimmte Maschenstruktur aus hängenden Fäden in den Raum bauen. In einem sich wiederholenden Prozess von aufgebauten, zerfallenden und erneut erstellten Gebilden werden von der Maschine berechnete Formen an die Seite von auf menschliche Inspiration basierende Schöpfungen gestellt – und somit auch das fragile Verhältnis zwischen Mensch und Maschine thematisiert.

 

Kuratorin: Alexandra Barcal, Graphische Sammlung ETH Zürich

Wem ist sie nicht aufgefallen, die grosse Dominique, die die Besucher der Graphischen Sammlung ETH Zürich mit ihrem sanften Lächeln zu begrüssen pflegt. Das verblüffende Porträt, das mit seinem inneren Strahlen und einer ungeheuren Präsenz besticht und den Betrachter zwischen Faszination und Irritation schweben lässt, hängt im Korridor zum Ausstellungssaal. Als Franz Gertsch (*1930) 1988 die Realisierung des Holzschnittes in Angriff nahm, konnte er sich lange nicht entscheiden, ob er sich an dessen Stelle nicht an ein Landschaftsmotiv wagen sollte.
Neben den Porträts, die mittlerweile zu den Ikonen der Schweizer Kunst zählen, ist der grosse Schweizer Künstler heute auch für seine berückenden Landschaften bekannt. Was weniger im allgemeinen Bewusstsein verankert ist, sind seine frühen Arbeiten. Und genau auf diese Phase seines umfassenden Schaffens fokussiert die geplante Präsentation, die Franz Gertsch zu Ehren seines neunzigsten Geburtstags ausgerichtet wird. Parallel zur Ausstellung im Museum Franz Gertsch Burgdorf («Zeitgeistbilder. Franz Gertschs Werke der 1970er Jahre», 21. März bis 16. August 2020) bietet die Auswahl einen Einblick in Gertschs frühes Werk, als er neben filigranen Holzschnitten auch romantisch anmutende Zeichnungen schuf. Gemeinsam mit dem Künstler wurden dafür einzelne Themengruppen aus dessen Sammlung sowie aus dem eigenen Bestand ausgewählt. Daneben sollen Farbproben, die im Verlauf des komplexen Drucks seiner unvergleichlichen monochromen Welten entstehen und die der Künstler liebevoll «études (de) couleurs» nennt, die Übersicht abrunden. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog geplant, in Kooperation mit dem Museum Franz Gertsch in Burgdorf.
Kuratoren-Team: Dr. Linda Schädler und Alexandra Barcal, Graphische Sammlung ETH Zürich