Dienstag, 28. August 2018, 18:00 Vernissage

Heutzutage machen Top Ten-Nennungen und Ratings der berühmtesten und teuersten Kunstschaffenden regelmässig die Runde. Doch wie entstehen und entstanden solche Listen und damit ein Kanon, in dem die Wichtigkeit von einzelnen Positionen definiert wird? RELAX (chiarenza & hauser & co) gehen auf Spurensuche. In der Graphischen Sammlung ETH Zürich ergründen Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser die Werke aus den eigenen Beständen, den Ort wie auch die Entwicklung der Sammlung seit ihrer Gründung vor 151 Jahren und setzen sie in Bezug zur Kanonisierung.
Mit der Ausstellung wird ein völlig neuer Blick auf die Graphische Sammlung ETH Zürich geworfen. Leitfragen bei der Erarbeitung und Werkauswahl waren: Wie entsteht eine Sammlungsstruktur und was bedeutet sie? Welche Positionen wurden und werden gesammelt? Welche gezeigt? Und schliesslich: Wie beeinflusst die Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit die Herausbildung eines Kanons und umgekehrt? Chiarenza und Hauser wagen eine alternative Lesart und wissen, dass sie damit wieder auswählen und weglassen müssen. Hierzu sagen sie: ”wir können also nur scheitern, denn die einzig gültige Wahl ist eine Illusion”. Und doch vermögen sie durch ihre explizit unkonventionelle Wahl die traditionell gefestigten Kriterien zu hinterfragen, in dem sie etwa Werke von Künstlerinnen herausheben oder unbekannte Positionen präsentieren. Sie zeigen Druckgraphik aus den Beständen der Graphischen Sammlung ETH Zürich aus verschiedenen Jahrhunderten und von unterschiedlichen Kunstschaffenden – etwa von William Hogarth oder Angelika Kauffmann –, auf denen Schauspiel, Markt, Dienstpersonal oder Selbstporträts zu finden sind.
Entstanden ist eine Installation, die eigene Videos, Arbeiten auf Papier, sowie räumlich angelegte Werke enthält und Druckgraphik aus der Sammlung integriert. Zudem ist zum ersten Mal die neue Werkgruppe von RELAX (chiarenza & hauser & co) mit dem Titel „was wollen wir behalten?“ ausgestellt, in welcher Bilder von Frauen und Geld hervorgehoben sind. Chiarenza und Hauser lassen den Ausstellungssaal mit ihrer Installation ganz eigentlich zu einem Studienraum werden, in dem die Besucherinnen und Besucher recherchieren, lesen, schauen und verweilen können.

Kuratorin: Dr. Linda Schädler, Leiterin Graphische Sammlung ETH Zürich

Unterstützt durch
Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Mobiliar Genossenschaft

 

Dienstag, 13. November 2018, 18:00 Vernissage

Thomas Schütte (*1954) gehört zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Als wohl bedeutendster deutscher Bildhauer unserer Zeit ist er auch in der Schweiz bislang vor allem mit seinen Skulpturen in Erscheinung getreten. Schütte ist aber auch ein genuiner Zeichner: nach dem Besuch der Documenta 5 (1972) beginnt der Achtzehnjährige zu zeichnen; ein Jahr darauf immatrikuliert er sich an der Kunstakademie in Düsseldorf. Mit der ihm eigenen grossen Unabhängigkeit und technischen Virtuosität, die sein gesamtes Werk auszeichnen, arbeitet Schütte seit langem auch an einem meisterhaften graphischen Oeuvre. Seit 2001 produziert Schütte seine graphischen Blätter, die er mit Vorliebe zu Folgen und Zyklen ausweitet, in Zusammenarbeit mit Till Verclas. Mit dem renommierten Drucker aus Hamburg schuf er Werke von ungeahnter Schönheit und stiller Poesie, voll intimer Momente, aber auch existenzieller Abgründe und Brüche. Dieses ausserordentlich dichte Schaffen gilt es in einer sorgfältigen Auswahl von Werken aus öffentlichen wie privaten Sammlungen aus der Schweiz und dem Ausland zu entdecken.

Kuratorin: Alexandra Barcal