Die Graphische Sammlung der ETH Zürich besitzt rund 4‘000 Handzeichnungen von Schweizer Künstler:innen des 18. und 19. Jahrhunderts. Kompositionsskizzen, vorbereitende Studien und Entwurfszeichnungen für Druckgraphiken lassen sich genauso häufig entdecken wie ausgearbeitete Aquarelle und Gouachen mit Gemäldecharakter oder genauste wissenschaftliche Zeichnungen im Bereich der Alpen- und Naturkunde.
Dank der Unterstützung der Stiftung Familie Fehlmann in Winterthur wird im Rahmen des Forschungsprojekts «Schweizer Zeichnungen» – einer Zusammenarbeit der Graphischen Sammlung ETH Zürich mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich – dieser in seinem Umfang einzigartige Sammlungsbestand wissenschaftlich erschlossen, untersucht, katalogisiert und digitalisiert. Das Projekt mündet in der geplanten Ausstellung, die darüber hinaus von einer Fachtagung mit Publikation zu Schweizer Zeichnungen begleitet wird.
Die Auswahl der Bilder für die Ausstellung konzentriert sich darauf, aufzuzeigen, wie um 1800 ein Bild der Schweiz – im In- und Ausland – geschaffen wurde, das bis heute nachwirkt. Die Ausstellung versucht einerseits der Vielschichtigkeit des Konvoluts gerecht zu werden und andererseits die künstlerische Qualität der Schweizer Zeichnung in den Fokus zu stellen und damit eine Lücke in der Forschung zur Bild-Helvetica zu schliessen.
Kuratorinnen: Susanne Pollack und Linda Vogel
Druckgraphik bildet einen wichtigen Schwerpunkt im Œuvre von Hugo Suter (1943–2013). Das Werk des Künstlers zeich-net sich durch eine spielerische, aber auch sehr nachdenkliche Auseinandersetzung mit Themen und Motiven aus, für die er seine Inspiration meist in seiner unmittelbaren Umgebung – dem Blick aus dem Fenster, dem See vor der Haustüre, Trouvaillen aus Zeitschriften – findet. Gleichzeitig bestechen die Arbeiten durch eine präzise und hochstehende Ausarbeitung. Besonders intensiv hat sich Hugo Suter mit dem Werkstoff Glas befasst. So überrascht es nicht, dass es sich bei vielen seiner Drucke um Hyalographien, also Glasdrucke, handelt. Glas erlaubte es dem Künstler, seine oft vielschichtigen und komplexen Bildideen adäquat umzusetzen.
In einem Forschungsprojekt, das die Graphische Sammlung ETH Zürich zusammen mit der Hugo und Mariann Suter Stiftung lanciert hat, wird das druckgraphische Werk des Künstlers wissenschaftlich untersucht, erfasst und in einem digital publizierten Catalogue raisonné zugänglich gemacht. Parallel zur Veröffentlichung des Werkverzeichnisses soll die Ausstellung einen erweiterten, medienübergreifenden Zugang zu Hugo Suters Schaffen erlauben. Neben druckgraphischen Blättern werden etwa auch Fotografien, Handzeichnungen und dreidimensionale Objekte zu sehen sein, wodurch die werkimmanenten Verästelungen und Verbindungen erfahrbar werden. Die Ausstellung wird von einem Essayband in gedruckter Form begleitet, in dem die spezifische Herangehensweise des Künstlers an Druckgraphik eingehend thematisiert werden soll.
Kuratorisches Team: Alexandra Barcal, Konservatorin 20./21. Jahrhundert, und Tim Oechslin, Projektassistent
Menschen mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen bildeten schon immer einen Teil der Gesellschaft jedoch finden ihre Bedürfnisse und Geschichten in der Regel erst im Nachhinein Gehör – wenn überhaupt. Blindheit, fehlende Gliedmassen, Gehörlosigkeit sind ebenfalls alles Themen, die Künstlerinnen und Künstler zu allen Zeiten beschäftigt haben. Auch wenn sie in der Kunst keine zentrale Stellung einnahmen, so waren sie immer präsent. Sie sind eingeschrieben in Darstellungen von Schmerz und Heiligkeit, in Karikaturen und anatomischen Studien, in Portraits und allegorische Kompositionen.
Die Ausstellung denkt Behinderung nicht als medizinische Kategorie, sondern als kulturelles, soziales und ästhetisches Konzept. Ein transhistorischer Blick auf den Sammlungsbestand verfolgt die These, dass das Motiv «Behinderung» sich besonders in den letzten Jahren von einer gängigen Bildtradition mehr und mehr entfernt.
Die hier versammelten Werke lassen sich als Dokumente einer Geschichte des Sehens lesen: Sie verraten, wie Menschen mit Behinderung wahrgenommen, marginalisiert und repräsentiert wurden. Die Ausstellung möchte Sichtbarkeit schaffen und dazu einladen soziale Normen zu hinterfragen. Die Graphische Sammlung öffnet mit dieser Ausstellung einen Raum zur Reflexion. Sie versteht sich nicht als abgeschlossene Antwort, sondern als Einladung zum Weiterdenken, über Behinderung, über Geschichte und über die Institutionen, die beides formen und überliefern.
Kuratorin: Mariko Mugwyler, Graphische Sammlung ETH Zürich